Pressemitteilung

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27. Januar 2026

Urban: Teilzeit ist Realität – gerade in der Pflege. Rechte beschneiden löst keinen Fachkräftemangel.

Zur Debatte um eine Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit erklärt Dr. Cornelia Urban, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Thüringen

„Wer Teilzeit als ‚Lifestyle‘ abwertet oder den Rechtsanspruch beschneiden will, verkennt die Lebensrealität vieler Beschäftigter – und erst recht die Realität in der Pflege. Dort ist Teilzeit für viele keine Laune, sondern ein Schutzmechanismus in einem körperlich und psychisch hochbelasteten Beruf. Wer das verneint, verschärft am Ende Berufsflucht und Fachkräftemangel.“ 

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Vorstoß aus dem Wirtschaftsflügel der Union, den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit deutlich einzuschränken und nur noch bei bestimmten Gründen wie Kinderbetreuung, Pflege oder Weiterbildung vorzusehen. 

Urban verweist auf die Versorgungsperspektive: „In der Pflege zeigt sich besonders deutlich, wie gefährlich diese Logik ist. Laut aktuellen Branchenzahlen arbeitet rund die Hälfte der beruflich Pflegenden in Teilzeit. Wer hier mit Druck und Misstrauen reagiert, gewinnt keine einzige zusätzliche Fachkraft – wir verlieren eher welche.“ 

Gerade für Ostdeutschland gelte zudem: „Die Spielräume, über reine Stundenaufstockung den Personalmangel zu beheben, sind begrenzt. Analysen der Barmer zeigen: In Ostdeutschland liegt der Anteil von Vollzeit bzw. Teilzeit über 50 Prozent der Regelarbeitszeit durchweg weit über 80 Prozent. Das Problem ist nicht ‚zu wenig Wille‘, sondern zu oft: zu hohe Belastung, zu wenig Personal, zu wenig planbare Entlastung.“ 

Urban erinnert daran, dass die SPD in Thüringen im Wahlkampf für entlastende Arbeitszeitmodelle in der Pflege geworben hat: „Wir wollen, dass mehr Pflegekräfte im Beruf bleiben – und dass Aufstockung möglich wird, wenn Menschen das möchten. Das erreicht man nicht durch die Einschränkung von Rechten, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen: verlässliche Dienstpläne, weniger Überlastung, gute Kinderbetreuung, echte Prävention und attraktive Rahmenbedingungen für Fachkräfte.“ 

Vizepräsidentin des Thüringer Landtags

Sprecherin für Soziales, Gesundheit, Familie und Sport