Schnelle Hilfe bei echten Notfällen ist ein Recht, das jeder Mensch in unserem Gesundheitssystem hat – Dafür haben Krankenhäuser Notaufnahmen eingerichtet. Doch immer mehr Patientinnen und Patienten kommen mit vermeintlichen Lappalien wie Insektenstichen in die Notaufnahme, manchmal auch erst nach Tagen oder Wochen. Und das meist nur, weil es bequemer ist, als der Besuch beim Hausarzt. Aus diesem Grund fordert die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen nun eine Gebühr in Höhe von 50 Euro. Dazu der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag, Dr. Thomas Hartung:

 

„Es ist ein Problem, das immer weiter zunimmt. Und oft kommen die Menschen ganz bewusst in die Notaufnahmen. Ich habe Sätze gehört wie ‚am Wochenende habe ich mehr Zeit‘ oder ‚ich habe seit drei Wochen Rückenschmerzen, morgen will ich in den Urlaub, jetzt muss was passieren‘. Das sind aber keine Notfälle. Auch ist nicht jede Missempfindung eine Rechtfertigung für eine Notfallbehandlung. Ich halte es deshalb für absolut richtig, dass nun über Möglichkeiten zu einer besseren Lenkung nachgedacht wird. Dazu muss auch eine finanzielle Beteiligung erwogen werden.“ Allerdings ist der Fokus auf die Notaufnahme nur eine Facette des Problems. Auch Rettungsdienst und kassenärztlicher Notfalldienst werden zunehmend durch Patienten in Anspruch genommen, für die diese Versorgung nicht gedacht ist.

 

Der Abgeordnete, der selbst als Notfallarzt praktiziert, ist überzeugt, dass der Schaden dabei nicht nur bei denen liegt, die tatsächlich wegen eines Notfalls kommen und dann warten müssen: „Auch die Patientinnen und Patienten, die sich den Besuch bei einem niedergelassenen Arzt ersparen wollen, weil das für sie bequemer ist – schließlich erhalten sie für den Augenblick eine Versorgung – ist die Wahl der Notaufnahme nicht unbedingt sinnvoll. Dort soll nämlich in erster Linie eine symptombezogene Notfallversorgung erfolgen, eine genaue Diagnostik und konkrete Ursachenforschung bleibt aber dem Hausarzt oder einem niedergelassenen Facharzt vorbehalten.“

 

Daher gefährde der Trend, rund um die Uhr eine Notaufnahme in Anspruch zu nehmen, die Hausarzt-Patienten-Beziehung, etwa weil einzelne Symptome, die nicht zeitgleich auftreten, nicht zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden und so schwere Erkrankungen verspätet diagnostiziert werden.

 

„Keiner würde auf die Idee kommen, am Wochenende oder in der Nacht einen Handwerker wegen eines leicht tropfenden Wasserhahns zu rufen. Wenn es um ärztliche Versorgung geht, folgen viele Menschen dieser Logik leider nicht. Das hat sicher auch mit der gefühlten Kostenfreiheit zu tun“, so Hartung.

 

Statt einer allgemeinen Pauschale hält der Gesundheitspolitiker jedoch eine Abrechnung im Nachgang der Behandlung für die bessere Wahl. So könne der Arzt nach der Untersuchung einen Vermerk für die Krankenkasse machen, ob es sich um einen Notfall gehandelt hat oder nicht. Auf diese Weise werden echte Notfälle nicht abgeschreckt und Missbrauch trotzdem geahndet.

 

„Egal welches Modell sich am Ende durchsetzt, Fakt ist, es muss sich etwas ändern.“

 

 

Bianca Wiedemann
Stellv. Pressesprecherin

Newsletter abonnieren

Abonnieren Sie unseren Newsletter, um neueste Informationen, Einblicke und Veranstaltungs-
hinweise der SPD-Fraktion zu erhalten.

Sie haben den Newsletter erfolgreich abonniert!