Anders als in den meisten anderen EU-Staaten steigt der Mindestlohn in Deutschland 2018 nicht an. Das geht aus dem aktuellen Mindestlohnreport für Europa hervor. Im Vergleich zum bundesweiten Durchschnittslohn ist der gesetzliche Mindestlohn relativ gering und wird darüber hinaus in Deutschland nur alle zwei Jahre neu festgelegt. Auch deshalb mussten die mit Mindestlohn bezahlten Beschäftigten zuletzt einen leichten Reallohnverlust hinnehmen. Für Thüringen liegen die Löhne und Gehälter weiterhin am Ende der bundesweiten Länderskala.

Dazu die arbeitsmarktpolitische Sprecherin Diana Lehmann: „Thüringen ist leider noch immer ein Billiglohnland. Eine Ursache ist der Unterbietungswettbewerb bei Löhnen und Gehältern. Löhne sind ein wichtiger Standortfaktor beim Wettbewerb um Fachkräfte. Gute Löhne sind nicht nur wirtschaftspolitisch notwendig, sondern auch sozialpolitisch vernünftig.“

„Für die Lohnentwicklung in Deutschland gilt: Will man Lohnungleichheit reduzieren, müssen die Löhne im unteren Einkommensbereich in den kommenden Jahren stärker steigen. Gleichzeitig muss die Entwicklung des Mindestlohns oberhalb der Tarifentwicklung erfolgen. Ein Instrument gegen Lohndumping und ruinösen Wettbewerb sind öffentliche Aufträge, die an einen vergabespezifischen Mindestlohn und Tarifverträge gekoppelt sind. Das Vergabegesetz leistet dazu einen wichtigen Beitrag“, sagt Diana Lehmann.

Hintergrund:
Der Mindestlohn in der Bundesrepublik erreicht nicht einmal die Hälfte des Medianlohns und liegt damit deutlich unter der Niedriglohnschwelle. Als Medianlohn wird der Verdienst bezeichnet, der genau in der Mitte der Verteilung liegt, bei dem also die eine Hälfte der Erwerbstätigen mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Hierzulande entsprach der Mindestlohn 2016 knapp 47 Prozent des Medianlohns. 13 EU-Länder kamen auf höhere Werte, darunter Portugal und Polen. Weit vorne im EU-Vergleich liegt Frankreich, wo die Untergrenze bei 60,5 Prozent des Medianlohns liegt. Nach Ansicht von Armutsforschern sollte ein Lohn, der zum Leben reicht, mindestens 60 Prozent des jeweiligen nationalen Medianlohns ausmachen.

 

Stefanie Gerressen
Pressesprecherin