Coronahilfen für Familien

5 Mai 2020

Ob im Bundestag, den Nachrichten oder am Abendbrottisch mit der Familie: Alle reden über die Corona-Pandemie. Doch nicht alle sprechen direkt über die gleichen Aspekte. Wo Virolog*innen, die gefragtesten Talk-Show Gäste in 2020, eher über eine Senkung der Infektionsrate nachdenken, andere darüber Gedanken verlieren, wann die Bundesliga den Spielbetrieb wieder aufnehmen könnte, machen sich Familien vor allem Sorgen um ihre eigene Zukunft.

Seit mehr als 5 Wochen herrscht in Deutschland ein unvergleichbarer Ausnahmezustand, welcher vor allem Familien finanziell, körperlich als auch psychisch stark belastet. Hierbei geht es keinesfalls um Kleinigkeiten, denn durch die Schließung der Schulen und Kitas müssen sich Eltern allein um ihre Kinder kümmern (wohlgemerkt, ohne auf den Spielplatz gehen oder andere Freizeitangebote wahrnehmen zu können) und das, obwohl dies bei Familien mit zwei erwerbstätigen Elternteilen oder gar Alleinerziehenden so gut wie unmöglich ist. Zwar werden einige Arbeitnehmer*innen ohnehin ins Homeoffice geschickt, doch dies kann nicht immer mit der Kinderbetreuung verbunden werden. Hinzu kommt, dass viele Arbeitgeber*innen aufgrund fehlender Aufträge für Beschäftigte Kurzarbeit beantragen müssen, um Kündigungen zu vermeiden. Das bedeutet im Ergebnis weniger Geld in der Familienkasse. Die Angst, seinen Job zu verlieren, in eine finanzielle Notlage zu geraten und der Druck der Familie nicht gerecht zu werden, steigt stetig.

Doch: Wenn jemand nicht geschwächt aus dieser extrem belastenden Krise gehen sollte, dann wohl unsere Familien. Ja, die Einschränkungen und Verordnungen sind wichtig und notwendig, denn sie schützen unsere Gesundheit. Doch es muss so früh wie möglich weiter gehen, so weit es die Umstände zulassen. Familien müssen ohne Nachteile in den Alltag zurückkehren können.

Die wohl wichtigste Maßnahme muss sein, das sogenannte Kurzarbeitergeld auf 80% beziehungsweise für Eltern auf 87% des fehlenden Nettoentgeldes anzuheben. Das bedeutet: fallen Arbeitsaufträge für Unternehmen in einem beträchtlichen Maß weg, kann bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld beantragt werden. Dieses zahlt die Bundesagentur an Beschäftigte, welche weniger bis gar nicht arbeiten, solange die Notsituation andauert. Zurzeit zahlt der Staat noch 60% bzw. für Eltern 67%, eine deutliche Erhöhung, um Familien nicht in die Existenznot zu bringen, ist demnach unumgänglich.

Kann ein Elternteil seine Arbeit nicht wahrnehmen, um die Betreuung seines Kindes zu gewährleisten, besteht bereits ein Anspruch auf Entschädigung von 67 % des Nettoendgeldes für 6 Wochen, eine Erhöhung auf 80 % ist allerdings auch hier zwingend notwendig. Für Eltern, die ihre Arbeit wahrnehmen, allerdings keine 100 % absichern können, muss zusätzlich der Rechtsanspruch auf Arbeitszeitverkürzung ausgebaut werden, denn: Auf die Solidarität des Arbeitnehmers ist nicht immer Verlass. Eine gesetzliche Absicherung ist unausweichlich.

Doch die finanzielle Unterstützung ist nicht immer alles. So muss, vor allem für Alleinerziehende und Familien in Notlagen, die Notbetreuung erweitert werden. Nur so kann Politik einmal weniger auf Kosten von Kinder und Jugendlichen gemacht werden. Denn auch diese belastet die Situation sehr. Eine Staffellösung der Kinderbetreuung, sodass jedes Kind ein l Mal pro Woche in die Notbetreuung gebracht werden kann, ist ebenfalls denkbar.

Im „normalen Leben“ sind die Kinder in der Kita, Ältere in der Schule, Eltern kommen ihrer Arbeit nach. Sie treffen sich mit Freunden, tauschen sich aus. Doch in der aktuellen Situation findet alles das nicht statt. Viele Familien rücken sich daheim immer weiter auf die Pelle, Auseinandersetzungen sind wohl in vielen Fällen keine Seltenheit. Um dieser psychischen Belastung standzuhalten, aber auch häusliche Gewalt vorzubeugen, sind Beratungsangebote sowie Sozialarbeit wesentlich. Um diese auch in der Krise zu ermöglichen, sollte eine neue Form der Beratung, beispielsweise ganz im Sinn des digitalen Zeitalters als Onlineangebot, entwickelt werden. Auch die Möglichkeit eines gemeinsamen Familienurlaubs im Sommer und Herbst, ermöglicht durch ein spezielles Landesprogramm, könnte schwierige familiäre Situationen vorbeugen oder auch beheben.

Man sieht: einige Vorkehrungen wurden bereits getroffen, viele jedoch noch lange nicht. Und das, obwohl Familienverbände und Elternvertretungen schon länger Druck auf die Regierung ausüben. Um die Meinung dieser in Zukunft noch stärker in politischen Entscheidungen einzubeziehen, kommt die Landesregierung nicht drumherum, einen digitalen Runden Tisch mit Schwerpunkt Familie einzusetzen, damit Landesregierung und betreffende Organisationen in einen regen Austausch treten können.

Ja, die Situation vieler Familien ist in der momentanen Lage äußerst schwierig. Doch es gibt Hoffnung, solange die Regierungen von Fachkundigen und Betroffenen ausgesprochenen Empfehlungen beachten. Denn Familien sind die Grundlage unserer Gesellschaft, bieten den Schutz und die Geborgenheit, die wir im Leben brauchen. Wirtschaftliche Interessen dürfen niemals über die Zukunft der Familie entscheiden.

Franz Ellenberger

Franz Ellenberger

FSJ-Politik

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