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Strategien gegen Lebensmittelverschwendung

Eleonore Mühlbauer

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Jedes Jahr werden in der Bundesrepublik 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von circa 25 Milliarden Euro weggeworfen. Das heißt, jeder Bundesbürger wirft jedes Jahr durchschnittlich circa 80 Kilogramm Lebensmittel weg. Zwei Drittel davon sind vermeidbarer Lebensmittelmüll. 2015 haben sich 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verpflichtet, bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren, unter ihnen auch die Bundesrepublik.

Am Vorabend des diesjährigen Weltverbrauchertages am 15. März haben daher heute die verbraucherpolitischen Sprecherinnen von Rot-Rot-Grün im Thüringer Landtag Fachexperten und Vertreter des Lebensmittelhandels eingeladen, um gemeinsam Strategien gegen Lebensmittelverschwendung zu beraten, die auch vor Ort greifen und umsetzbar sind.

„An erster Stelle“, so die verbraucherpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE Diana Skibbe, „steht die Sensibilisierung der Verbraucher beim Einkauf und Verbrauch von Lebensmitteln. Hier reicht uns aber die 2015 von der Bundesregierung begonnene Kampagne ‚Zu gut für die Tonne‘ nicht aus. Es fehlt eine einheitliche Definition und Methodik zur Erfassung und Bewertung von Lebensmittelabfällen auf EU-Ebene und es fehlen Nachhaltigkeitsstrategien mit festgelegten Zielen, wie sie beispielsweise in Großbritannien zwischen Lebensmittelhandel und Politik bereits vereinbart wurden.“

Eleonore Mühlbauer, verbraucherpolitische Sprecherin der SPD, verweist auf Frankreich, wo inzwischen Supermärkte per Gesetz verpflichtet sind, „unverkaufte Ware nicht wegzuwerfen oder unbrauchbar zu machen, sondern kostenlos der Wohlfahrtspflege oder der Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen. Dies wäre auch in Deutschland möglich und kann dann konkret vor Ort umgesetzt werden.“

Die verbraucherpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Babett Pfefferlein, erinnert „an nach wie vor bestehende sinnlose Handelsnormen, die nichts mit der Ernährungsqualität zu tun haben. Heute mussten wir zum Beispiel erfahren, dass bis zu 35 Prozent selbst der ökologisch erzeugten Kartoffeln nicht mal in den Verkauf gelangen und gleich weggeschmissen werden, weil sie Verpackungsnormen nicht genügen. Hier brauchen wir viel mehr unkonventionelle Ansätze wie zum Beispiel die seit kurzem bestehenden verpackungsfreien Läden in Erfurt oder Jena, die sehr konkret helfen, Lebensmittelabfall zu vermeiden.“

Nach der sehr informationsreichen Veranstaltung zeigte die Küche der Landtagskantine praktisch, wie mit Lebensmittelresten umgegangen werden kann. Für die Besucher gab es ein Menü aus den nicht verwerteten Lebensmitteln des aktuellen Kantinenbetriebs und Rezepte, wie auch zu Hause aus scheinbarem Lebensmittelmüll köstliche Gerichte hergestellt werden können.